Kabir.
Kabir fand sich im Gesang. Verse des indischen Dichters und Mystikers.
YinYang Media Verlag, Kelkheim, 154 S., € 12,50
Mirabai.
Liebesnärrin. Die Verse der indischen Mystikerin. YinYang Media
Verlag, Kelkheim, 265 S., € 14.00
Mit diesen beiden Büchern hat der
kleine YinYang Media Verlag in Zusammenarbeit mit dem National Book
Trust, India, eine große editorische Leistung vollbracht. Die
Verse der beiden berühmtesten Dichter der Gottesliebe (Bhakti) in
der Hindi-Literatur, wahre Schätze des literarischen
Weltkulturerbes, liegen hiermit in der Übersetzung von Shubhra
Parashar vor.
Kabir (seine genauen Lebensdaten sind umstritten, jedenfalls lebte er
im 15. Jh. in Varanasi) ist der bekanntere von beiden. Gedichte Kabirs
sind bereits in mehreren deutschen Ausgaben erschienen, so zuletzt die
kongenial in deutsche Verse übertragene Auswahl von Lothar Lutze
Kabir. Ich hab mein Haus verbrannt (Salzburg 1998) und die
Sekundärübersetzung aus dem Englischen Kabir. Im Garten der
Gottesliebe (Heidelberg 2005). Shubhra Parashar hat 123 der 265
Gedichte aus der klassischen Textausgabe von H.P. Dvivedi
ausgewählt. Ihre Übertragung ist keine lyrische Nachdichtung,
sondern eine textgetreue Übersetzung in gut lesbare, schlichte
Prosa. Verständnisvarianten und mehrschichtige Bedeutungen werden,
wo nötig, in Fußnoten erläutert.
Kabirs Verse lassen eine geläuterte Spiritualität erkennen,
die sich abseits der Tempel und Moscheen in der Innerlichkeit des
Herzens entfaltet. Er genießt bis heute höchste Verehrung
bei Hindus, wie auch bei Moslems und Sikhs (in deren heilige Schrift,
den Guru Granth Sahib, viele seiner Gedichte aufgenommen wurden).
Hauptthemen sind die Vereinigung der individuellen Seele mit dem
höchsten Selbst, auf die Kabir seine Zuhörer immer wieder als
das eigentliche Lebensziel verweist, und seine Kritik am orthodoxen
Hinduismus und Islam.
Während Kabir die Tradition der nirguna bhakti, d. h. der
mystischen Union mit einem nicht bildlich vorstellbaren Gott
vertritt, ist Mirabai die große Exponentin der saguna bhakti, der
liebenden Verehrung eines gestalthaften persönlichen Gottes.
Mirabai (ca. 1498 – 1540), eine Tochter aus fürstlichem Haus in
Rajasthan, richtete ihre Liebe seit ihrer Kindheit auf Gopala Krishna,
den jugendlichen, mit seinem Flötenspiel die Herzen
betörenden Gott mit der Pfauenkrone. Sie wurde
standesgemäß verheiratet, stieß aber wegen ihres als
unziemlich erachteten Singens und Tanzens für den göttlichen
Geliebten auf heftige Opposition bei der Familie ihres Gemahls.
Schließlich verließ sie den Hof, um besitzlos durch
Nordindien zu ziehen und immer neue Lieder über ihre Liebe zu
Krishna, das Glück der Vereinigung mit ihm und den Schmerz der
Trennung von ihm zu singen.
Mit diesem Band liegen erstmals alle als authentisch geltenden Lieder
der Mirabai in deutscher Übersetzung vor.
Beide Bücher sind ähnlich ausgestattet. Einleitung, bzw.
Anhang informieren über die Biographie der Dichter, über die
Legenden, die sich um ihr Leben ranken, ihre Bildsprache und ihre
Stellung in der Bhakti-Tradition. Fuß- oder Endnoten liefern
Zusatzinformation zu einzelnen Versen. Ein Glossar erleichtert die
Orientierung in der Begriffswelt der Bhakti-Spiritualität. Ein
Index der Versanfänge in Hindi ermöglicht das Auffinden der
Originaltexte und eine Auswahlbibliographie verweist auf Textausgaben
und Sekundärliteratur.
zurück
zur Übersicht
|