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     Zum ersten Mal in deutscher Sprache - soeben erschienen! 

Cover Mirabai
 
 


 

MIRABAI
Liebesnärrin
Die Verse der indischen Dichterin und Mystikerin

neu März 2006
aus dem Rajasthani übertragen von Shubhra Parashar
mit umfangreichem Anmerkungsteil, Glossar und Kurzessays zu Mirabai, Krishna und Bhakti

268 Seiten, Eur. 14,00, br..

ISBN 3-935727-09-7

Einige Kostproben aus dem Band (ohne Anmerkungen):
insgesamt sind es 202 Verse
© YinYang Media Verlag (Herunterladen nur zum privaten Gebrauch!)

2. Mhāro paranāma Bāʼnke Bihārījī

Ich grüße Dich, o Bāʼnke Bihārījī!
    Dich, der jung ist und keck,
Grüße Dich, den Genießer!
    Dich, der sich gerne vergnügt!

Dich, der die Pfauenfederkrone trägt,
    Dessen Stirn der tilaka schmückt,
Dich, der Ohrringe trägt,
    Dessen Haarlocken dunkel sind.

Setzest Du die Flöte auf Deine Lippen
    Und spielst,
Entzückt selbst Dich ihr lieblicher Klang,
    Du berauschst die Frauen vom Lande Braja.7

Entrückt war Mīrā,
    Als sie diese Schönheit erblickte,
Die Schönheit des Mohana, des Giridhārī!
    Des Betörers, des Bergehebers!


4. Hari mhārā jīvaņa prāņa adhāra

Hari, Du bist die Stütze meines Lebens.

Hab keine Zuflucht sonst außer Dir,
Nirgendwo in den Drei Welten.8

Nichts gefällt mir ohne Dich,
Besah ich doch die ganze Welt.

O Herr Mīrās!  Ich bin Deine Dienerin,
Schau doch bei mir vorbei!


6.  Mhāro Gokula ro Brajavāsī

Er ist unser Braja-Bewohner,
Er stammt aus Gokula.

Sehen die Menschen Brajalīlā,
Das göttliche Spiel im Braja-Lande,9
So freuen sie sich;
Überaus glücklich sind
Die Frauen von Braja.

Sie tanzen, sie singen,
Sie klatschen den Takt,
Sie werden der Wonne teilhaftig,
Da sie Kŗişhņas Lächeln sehen.                    
Nandas und Yaśhodās Verdienst
Ist es, Freundin,
Daß er erschienen,
Avināśhī, der Unvergängliche.

Gelbes Tuch ist gebunden um seine Taille,
Um den Hals die Vaijyantī-Kette,
Seine Hand schmückt
Die Flöte, Liebes.

Mīrās Herr ist Giridhara Nāgara,
Der Bergeheber, der Edle,
Zeige Dich mir,
Deiner Dienerin.


8.  Herī mā Nanda ko gumānī

Freundin, Nandas Hochmütiger
    Hat Wohnung in meinem Herzen genommen!

Er hielt den Ast des Kadamba-Baumes
    Und stand da,
Sanft hat er gelächelt,
    Dann in meine Richtung gelacht.

Gekleidet war er mit einem gelben Lendentuch,
    Eng geschlungen um seine Taille,
Und eine Krone bestückt mit Juwelen,
    Gut befestigt auf seinem Haupt.

Mīrās Herr ist
    Giridhara Nāgara,
Sein Antlitz schaute ich an –
    Mein Herz verfing sich!


10. Nipaţa baʼnkaţa chaba aʼnţake

Mein Blick hat sich verfangen in der
Einzigartigen Schönheit,
Deiner dreifachen Körperbiegung.10

Ich sah die Schönheit Madana Mohanas, Liebes,
Dessen Schönheit selbst den Liebesgott betört,
Und saugte Nektar mit meinen Augen,
Kein Blinken, kein Zwinkern,
So verloren war ich darin.

Augenbrauen lotosgleich,
Betörende Locken,
Verfangen hat sich mein Blick
Im Genuß Deiner Schönheit.

Seitlich geneigt ist seine Taille,
Seitlich neigt sich seine Hand, sie hält die Flöte,
Von der seitlich geneigten Krone seines Hauptes
Schaukelt die Perlenkette hin und her.

Mīrā ist gefesselt
Von der Schönheit ihres Herrn,
Die Schönheit des Giridhara Naţa Nāgaras,
Des Bergehebers, des Schauspielers, des Edlen.


36. Paga bāʼndha ghūʼngharyāʼn ņācyāʼnrī

Ich tanzte mit Fußglöckchen an meinen Füßen.

„Mīrā ist wahnsinnig“, sagten die Leute,
„Diese Sippenzerstörerin“, schimpfte die Schwiegermutter.

Den Giftbecher schickte ihr der König,
Mīrā lachte, als sie ihn austrank.

Körper und Geist habe ich zu Haris Füßen geopfert,
Bei seinem Anblick werde ich Nektar trinken.

Mīrās Herr ist Giridhara Nāgara,
In Deine Zuflucht werde ich gelangen.


39. Māī mhāʼn Govinda guņa gāņā

Freundin, besingen werde ich die Tugenden Govindas.

Zürnt mir der Herrscher, kann ich die Stadt verlassen,
Ist aber Hari erzürnt, wo finde ich Schutz?

Den Giftbecher schickte mir der König,
Ich trank das Gift, als sei es Nektar der Füße Haris.

In einem Korb schickte der König mir eine Schlange,
Aber ich erkannte darin einen śhālagrāma-Stein.

Mīrā ist nun eine Liebesnärrin,27
Ich bekam den Dunklen als Ehemann.


41. Mīrā magana bhaī …

Mīrā wurde glückselig, denn sie besang die Tugenden Haris.

Einen Schlangenkorb schickte ihr der König,
Mīrā persönlich wurde er überreicht.
In Ruhe nach dem Bad schaute sie sich den Inhalt an,
Und fand darin den heiligen śhālagrama-Stein.

Den Giftbecher schickte ihr der König,
Verwandelt wurde das Gift für Mīrā in Nektar.
Sie wusch sich die Hände und trank davon,
Sie wurde unsterblich, als sie es austrank.

Das Prunkbett aus Spießen schickte ihr der König,
„Gebt es ihr, damit sie darauf schlafe.“
Abenddämmerung, dann die Nacht:
Mīrā legte sich schlafen,
Es war ihr, als läge sie auf Blumen.

Mīrās Herr hilft immer,
Alle Übel hält er von ihr fern.
Ich wandele umher, versunken in Gotteshingabe,
Ich habe mich Giridhara geopfert.


54. Jogiyārī prītaŗī hai dukhaŗā ro mūla

Des Leides Wurzel ist die Liebe zum yogī.

Freundlich macht er mir süße Lügenversprechen,
Später vergißt er sie.

Sie zu brechen, zögert er nicht,
Als bräche er die Jasminblüte vom Zweig ab.

Mīrā sagt: „O Herr, wenn ich Dich nicht sehe,
Durchbohrt ein Speer mein Herz.“


64. Prabhujī kahāʼn gayā nehaŕā lagāya

O Herr! Wohin bist Du verschwunden,
Nachdem Du Liebe geweckt hast?

Verlassen hast Du mich, Vertrauensbrecher!
Verlassen – zuvor entfachtest Du aber die Liebesflamme!

Erst ruderte er mit mir auf dem Liebesboot,
Dann ließ er mich zurück im Einsamkeitsozean!

O Herr Mīrās! Wann sehe ich Dich?
Unerträglich ist’s ohne Dich!


75. Nīʼndaŕī āvāʼn ņā sārāʼn rāta

Die ganze Nacht
Find ich keinen Schlaf,
Wann endlich
Wird es Morgen?

Freundin, ich erschrak
So plötzlich aus dem Traum,
Kann seine Gestalt
Nicht vergessen.

Ständige Qualen
Bringen mich um.
Wann sehe ich Dich, o Dīnānātha,
O Retter der Armen?

Bin eine Närrin geworden,
Hab das Bewußtsein der Welt verloren,
Nur mein Liebster erkannte
Den Zustand meines Herzens.

Mīrās Schmerz
Kann nur kennen,
In dessen Hand
Die Todes- und die Lebensschnur.



101. Pyāre darsaņa dīsyā āya …

Geliebter, so komme doch und zeig Dich mir,
Ohne Dich kann ich nicht leben.

Wie der Lotos ohne Wasser und die Nacht ohne Mond,
So bin ich ohne Dich, Dürstende nach Leben.

Leidend, ruhelos verbringe ich die Nächte,
Die Trennung zerfrißt mein Herz.

Weder Appetit am Tag noch Schlaf in der Nacht,
Die Zunge versagt mir gescheite Rede.

Wem kann ich mein Herz ausschütten?
Mein Liebster, lösche meinen Durst in der Vereinigung!

Warum quälst Du mich, mein Gott, mein
    Innerer Lenker?
Komm doch, in der Vereinigung mit Dir
    Verfliegt mein Leid!

Mīrā ist Deine Dienerin seit Geburten,
Seit Geburten liebt sie Dich.


155. Sāʼnvare māryā tīra

Sāʼnvarā schoß mit seinem Pfeil.

Der Pfeil ging durch mich hindurch,
Sāʼnvarā hat mit seinem Pfeil geschossen.

Die Trennung brennt in meinem Herzen,
Von Unruhe geplagt ist mein Körper.

In Aufruhr ist mein Geist, läßt keine klaren Gedanken zu,
Er hat ihn mit der Liebeskette gefesselt.

Was weiß schon mein Liebster,
Was weiß er schon von meinem Schmerz?

Nichts steht in meiner Macht, o Freundin,
Zwei Tränen fließen aus meinen Augen.

O Herr Mīrās, ohne Deinen Anblick
Will mein Herz sich nicht beruhigen.



166. Muraliyā bājā jamaņā tīra

Es ertönte die Flöte am Ufer der Yamunā.

Diese Flöte hat mein Herz gestohlen,
Ruhelos wurde mein Herz.

Dunkel ist Kānhā, dunkel seine Wolldecke,
Dunkel die Gewässer der Yamunā.
 
Als ich der Flötenmelodie lauschte,
Verlor ich das Bewußtsein der irdischen Welt,
Mein Körper erstarrte.

Mīrās Herr ist Giridhara Nāgara,
Beende schnell meine Qual!


169. Āja anārī le gayo sārī …

Der Schlingel hat heute meine sāŕī gestohlen,
Er versteckte sich auf einem Kadamba-Ast,
    O weh mir, Freundin!92

Giridhārī hat uns heimlich verfolgt,
Dieser Schlingel heute!
    O weh mir, Freundin.

Ich ging zur Yamunā, um Wasser zu holen,
Kŗişhņa, der Feind des Dämonen Mura, war plötzlich da,
    O weh mir, Freundin!

Meine sāŕī hat er heute gestohlen,
Ich stand nackt im Wasser,
    O weh mir, Liebes.

Die Gefährtinnen lachen mich aus,93
Klatschen dabei in die Hände,
    O weh mir, Freundin!

Schlecht ist meine Schwiegermutter und stur die Schwägerin,
Sie zanken und verfluchen mich,
    Ach weh mir, Freundin!

Mīrās Herr ist Giridhara Nāgara,
Seinen Lotosfüßen habe ich mich hingegeben,    
    Freundin!


173. Premanī premanī premanī re

Der Dolch der Liebe hat sich in mein Herz gebohrt.
Ja, Liebes, der Dolch der Liebe, der Liebe, der Liebe!

Ich ging, um von der Yamunā Wasser zu holen,
Auf dem Kopf trug ich den goldenen Krug.

Hari hat mich mit dem ungezwirnten Faden
    Der Liebe umgarnt,
Ich gehe in die Richtung, in die er mich zieht.

Mīrās Herr ist Giridhara Nāgara,
Denn so ist sein dunkles Antlitz: herzbezaubernd!

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Stand: Februar 2006